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18. Dezember 2015 | 1348 Artikelaufrufe

Die Digitale Gesellschaft und ihr Einfluss auf Unternehmen und Vertrieb

Ohne Smartphones und Internet geht heute gar nichts mehr. Schleichend und kaum von uns bemerkt, wurden wir zum „internet-normierten Menschen“. Bis 2020 sollen alle Menschen vernetzt sein. Das bedeutet, dass zukünftig auch alles was wir tun, berechnet, analysiert, katalogisiert und kategorisiert wird. Eine gute Repuation im Netz bringt entsprechende Wettbewerbsvorteile. Welche Bedeutung diese Entwicklung für den Vertrieb haben wird, hat der Social Media Speaker und Online Reputations Experte Ibrahim Evsan in seinem Vortrag auf dem diesjährigen DVVK deutlich gemacht.

Es wird zukünftig keine angedachten Entwicklungen mehr geben, die nicht Realität werden!

Unvorhergesehene Entwicklungen in der Technologie haben in der Vergangenheit schon oft zu einem plötzlichen Zusammenbruch eines bislang funktionierenden Systems geführt. Unternehmen müssen also rechtzeitig auf den „digitalen Zug“ aufspringen um nicht zurückzubleiben.

Digitale Störungen

Als „Digitale Störung“ bezeichnet man unvorhergesehene technologische Entwicklungen, die den Markt verändern. Nicht selten führt ein unvorhergesehener Change zu einem plötzlichen Zusammenbruch oder anhaltenden Rückgang einer Branche. Wie zum Beispiel Spotify für CDs, Netflix für das Fernsehen oder private Postdienste für die Post. Oder auch der digitale Fußball, der genau misst wie weit der Ball fliegt, die Schussstärke, den Drall und alles was der Spieler macht. Was bald das Googleauto für diverse Märkte bedeuten wird, ist noch nicht absehbar. Über eine App wird man ein kostenloses Auto bestellen und damit zum Beispiel in die Pizzeria fahren können. Bezahlt wird das Auto vom Restaurant, weil es dem Unternehmen Kunden heranchauffiert. Ein völlig neues System. „Uber“ zum Beispiel ist nur eine App aber ca.200 Milliarden Dollar wert, eine App, welche eine komplette Branche verändern kann.

Solche Firmen denken anders. Nicht in Umsatz-Zahlen, sondern wie man möglichst viele Menschen erreicht. Geld zum Beispiel direkt über E-Mail ohne Bankcodes versenden zu können, wäre ein neues System, das den Markt verändert und somit eine digitale Störung darstellt. Je mehr Nutzer man bereits hat, desto mehr Bankkunden hat man auf Anhieb. 800 Millionen G-Mailnutzer werden automatisch zu 800 Millionen Bankkunden.

„Alipay zum Beispiel, ist ein chinesisches Onlinebezahlsystem. Aktuell ist es der einzige Anbieter in China mit positivem Realzins und hat ein besseres Image als die staatlichen Banken. Alipay hat den größten Marktanteil in China mit knapp 300 Millionen Nutzern und kontrolliert die Hälfte des chinesischen Online-Payment-Marktes,“ so Evsan.

Die digitalen Supermächte

Riesen wie Google, Virtual Airlines und Facebook wollen laut Evsan als Technologielieferant die ganze Welt vernetzen. Google´s Titan Aerospace ist ein Luft- und Raumfahrtunternehmen, dessen Satelliten Wetter und Feuer überwachen, Video- und Bildaufnahmen machen können und eine Reichweite von hundert terrestrischen Mobilfunkmasten haben. Ausgestattet mit einem Solarantrieb können sie bis zu fünf Jahre lang ununterbrochen fliegen und dabei vier Millionen Kilometer zurücklegen. „Ende 2013 wurde Boston Dynamics von Google gekauft. Das ist ein Robotik-Unternehmen, das für das US-amerikanische Militär vor allem im Bereich autonomer Laufroboter forscht und entwickelt. Es gilt als eines der am weitesten fortgeschrittenen Robotik-Unternehmen der Welt. Es ist eine unfassbare Datenbank in Riesen-Serverparks. Dort liegen all unsere Daten und werden berechnet. Das sind Technologien, die durchaus Angst machen.“ so Evsan.

Digitale Supermächte haben viel Geld und alle Möglichkeiten, mit ihren Technologien die Welt zu beherrschen. Was können wir tun um diese Systeme bestmöglich für uns zu nützen?

Nutze das System bevor es dich ausnutzt – Neue digitale Denkmodelle

Um am Markt bestehen zu können, muss man neue digitale Denkmodelle entwickeln und akzeptieren. Wir müssen das System Internet ausnützen bevor es uns ausnützt. Für den Vertrieb bedeutet das, dass er sich in Zukunft als eine Art Plattform dargestellt muss. Vertrieb muss überall stattfinden. Vertrieb muss mobil und datengesteuert sein. Man muss den Kunden zu 100% kennen. Die Transparenz muss verbessert werden. Man muss wesentlich mehr Kundenähe entwickeln. Man muss dort fischen wo die Fische sind. D.h.: Man muss den Kunden in den sozialen Netzwerken suchen und auch bedienen. Das ist ein komplett anderes Denken. Um das umsetzen zu können, muss man Social Business verstehen, so Evsan in seinem Vortrag.

Interessant ist, dass fast alle Mitarbeiter von Unternehmen in irgendeiner Form Social Media betreiben, aber meist außer Kontrolle des Unternehmens. Sie teilen Wissen, begegnen anderen Menschen, die auch sozial vernetzt sind, beraten Kunden, tauschen sich privat und geschäftlich aus, leben soziales Engagement, vertreten Meinungen. Und alles wirkt sich auf die Reputation des Unternehmens aus, für das sie arbeiten. Denn letztlich repräsentieren die Mitarbeiter ihre Firma.

„Social Business muss also unbedingt von den Führungskräften ausgehen. Unternehmen brauchen ein klares Konzept für ihren öffentlichen Auftritt und müssen ihre Mitarbeiter miteinbeziehen,“ so Evsan am DVVK.

In der Zukunft wird alles und jeder digitalisiert und katalogisiert sein und alle Daten werden zusammenfließen. Und in weniger als 3 Jahren wird man, laut Evsan, auf Grund der gesammelten Daten genau sagen können, welche Werte ein Unternehmen vertritt. Ob ein Unternehmen seine Mitarbeiter gut behandelt, umweltbewusst agiert, ethisch in Ordnung ist oder auch nicht. Und danach wird auch das Ranking in Google geschehen. Aber auch als Kunde wird man genau bewertet werden. Die Beacon Technologie, zum Beispiel, erkennt sofort den Wert eines Kunden und berechnet seinen maßgeschneiderten, persönlichen Rabatt.

Das ist eine Veränderung, die automatisch passieren wird und mit der man umgehen lernen muss. In der neuen digitalen Kultur stehen der Mensch und sein Handeln im Fokus. Als Unternehmen muss man seine eigene Lobby aufbauen. Evsan nannte sich selbst als Beispiel. Seinen Namen findet man heute in Google sofort unter „Social Media Experte“. Dieses Ranking hat er sich in Google selbst mit spannendem Content erarbeitet. Anstatt teures Geld in SEO-Maßnahmen zu stecken, sollten Unternehmen lieber in interessante Inhalte investieren. In den Image-Aufbau des eigenen Managements, etwa in Themenportalen. Je mehr Inhalte ein Unternehmen produziert, desto mehr steigt der Wert in Google.

Die Reputation im Netz steigern – Social Business für den Vertrieb

91% der User suchen auf Google nur auf der ersten Seite. Um dort zu erscheinen, sollten die wichtigsten Fragen für ein erfolgreiches Social Business geklärt werden:

  • Sind wir eigentlich richtig verlinkt?
  • Werden wir von den Maschinen erkannt?
  • Wie stellt uns Google dar?
  • Sind wir Digital Leader, Influenzer?

Gutes Social Business erfordert gezielte Aktivitäten im Social Web, um die Netz-Gesellschaft mit dem Unternehmen zu verbinden. Um mit Daten richtig arbeiten zu können, muss man Daten richtig verstehen und integrieren können. Die Integration der Daten sollte über APIs, Application Programming Interface, funktionieren. APIs werden zu den wichtigsten Managementskills der Zukunft gehören. Nicht mehr nur die persönliche Interaktion, sondern auch Algorithmen bestimmen maßgeblich die Reputation und damit die Chancen für den Vertrieb,“ so Evsan. Der Schlüssel sind hochwertige Inhalte und eine intelligente, digitale Vernetzung.

Fazit:

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Reputation des Einzelnen oder eines Unternehmens und dem Suchmaschinenranking. In der digitalen Welt ist Reputation aber steuerbar. Mit einer guten Digitalen Strategie bestimmt nicht das Netz, sondern jeder selbst seine Reputation. „Ein kontinuierlich hochwertiger Content + intelligente Vernetzung = Reputation. Reputation wird in Google durch ein ansprechendes und hohes Ranking belohnt. Je länger ein hohes Google-Ranking erreicht wurde, desto besser werden neue Inhalte „verzinst“. Google denkt: „Was von dem Anbieter kommt, ist gut“,“ so Evsan.

Dazu ist Folgendes unablässig:

  • Liebe zur Technologie
  • Richtiges Datenmanagement
  • Neues Kundenverständnis
  • Förderung neuer Ideen
  • Zulassen des Innovationsgeistes
  • Social Media von den Führungskräften ausgehend
  • Gelassenheit in der weltweiten Vernetzung

Zur Person

Ibrahim Evsan

Ibrahim Evsan ist Social Media Speaker und Online Reputation Experte. Zudem ist er Geschäftsführer der 3rd Place GmbH Gründer von „sevenloads“, einer Art deutsches Youtube. Laut eigener Aussage lebt Evsan Social Media. Als Experte für Digital Leadership und Social Media referiert er regelmäßig als Social Media Keynote Speaker über Digital Leadership, Personal Branding und Internet-Philosophie.

Die Digitale Gesellschaft und ihr Einfluss auf Unternehmen und Vertrieb
Bewertung: 5

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Kultur, Medizin und Naturheilkunde. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website.

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