| Serie: Leaders in Marketing und Verkauf Teil 2
1. Januar 2012 | 2046 Artikelaufrufe

Gedanken über Ratschläge, Menschenbild und Diskussion

Die folgenden Einsichten entspringen eigenen Beobachtungen und Erfahrungen des Verfassers. Hoffentlich regen sie den Leser zum eigenen Urteil an. In loser Folge veröffentlichen wir einige Hinweise.

 

Diskussion und Ratschläge


Erfolgsbücher:
Erfolgsbücher sind zahlreich. Typische Stichworte sind Gewinner, Elitemanager, Lifepower, Smart Leadership, Egoprojekte und Ressource Ich. Einerseits gaukeln sie einen einfachen Erfolg vor: Lerne die geheimen Grundlagen des Erfolgs, übernehme neue Spielregeln und werde erfüllt und reich. Anderseits machen sie den Erfolg unnahbar: Übernehme unsere Empfehlungen, bisher warst Du nicht clever genug. Viele Hinweise sind wichtig, aber die beiden aufgezeigten Wirkungen zwischen Leichtigkeit und Unnahbarkeit des Erfolges sind contra produktiv. Erfolg heisst, die eigenen Erwartungen und Fähigkeiten abstimmen, sich einsetzen und etwas gut tun. Es ist ganz einfach und dazu brauchen wir keine Literatur.

Viele Begriffe für die Fähigkeiten von Führungskräften sind hohl: In Anforderungsprofilen und Stellenanzeigen finden sich Merkmale und Fähigkeiten wie Dynamik, Macher, Teamorientierung, soziale Kompetenz oder Entschlusskraft und viele mehr. Gemeinsam ist diesen Begriffen, dass sie gut klingen und wenig aussagen. Wie prüfen wir Teamorientierung? Was heisst Entschlusskraft? Schliesslich soll man einfach gerne mit einem Manager zusammen arbeiten; gleichzeitig soll er Konflikte aushalten und von seinen Mitarbeitern etwas fordern. Überprüft wird das hauptsächlich im persönlichen Gespräch. Folgerung: Der oder die passt zu uns; oder nicht.

Gewinner und Verlierer: Gewinner sind interessant, weil wir uns mit ihnen identifizieren können; auch als Tellerwäscher erkennen wir eine Chance. Verlierer sind interessant, weil die Gewinner wieder auf ein normales Mass zurück gestutzt werden. Gewinner oder Verlierer – bei beiden ist die Differenz wichtig, im Aufstieg und im Fall.

 

Menschenbild


Positive Selbsteinschätzung
: 92 % der Autofahrer meinen, dass sie besser als der Durchschnitt fahren.Unser Bedürfnis ist es, besser zu sein. Deshalb suchen wir bei anderen nach Schwächen, besonders bei den Erfolgreichen. Du brauchst aber nicht alle anderen als schwach einzuschätzen, nur weil du deine eigenen Fehler kennst. Wer zum Beispiel viele Langweiler trifft, ist selbst einer.

Es gibt aber so zahlreiche Menschen, denen wir im Geschäft begegnen. Sie haben Charisma, ihr Fachwissen ist unschlagbar: Wenn sie auftauen, wird es spannend. Wer bei den Menschen die er trifft nach Stärken sucht, der lebt einfach besser.

Viele gute Manager: In der Regel gehen wir davon aus, dass nur wenige Menschen für die Führungsspitze taugen und es scheint eine Bestätigung zu sein, dass sogar oft falsche Leute an der Spitze stehen. Ich glaube es gibt viele, ausgezeichnete Managerinnen und Manager. Man müsste manche guten Leute einfach machen lassen.

Menschenkategorien: Ein Gräuel sind Leute, die sich nach oben ganz bücken. Sie verhalten sich gegenüber Vorgesetzten normal, also zuvorkommend und freundlich, aber schikanieren vermeintlich unterstellte Menschen. Die Mitmenschen werden einfach eingeteilt: In Unterhunde und Götter.

Text­_Prof. Dr. Christian Belz, Ordinarius für Marketing an der Universität St. Gallen und Geschäftsführer des Instituts für Marketing

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Prof. Dr. oec. Christian Belz ist Ordinarius für Marketing an der Universität St. Gallen (HSG) und seit 1991 Direktor des Instituts für Marketing und Handel (IMH). und Mitherausgeber der Marketing Review St. Gallen. Die Kompetenzzentren des Instituts sind: Business-to-Business, Hightech Marketing und Marktbearbeitung, Markenführung, Distribution und Kooperation, Internationales Handelsmanagement (Gottlieb Duttweiler Lehrstuhl), Marketingplanung und –controlling.

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