| Stressbewältigung Teil 2, Maritta Mainka-Riedel
29. August 2014 | 2399 Artikelaufrufe

Stress im Vertriebsalltag

Gelassener im Vertriebsalltag – so geht’s

Ohne Stress geht es in unserer durchgetakteten Welt heute nicht mehr. Stress an sich ist auch kein Problem – der Körper braucht die durch ihn versursachte Hormonausschüttung zum Abrufen von Leistung. Problematisch allerdings wird es, wenn der Mensch aus der Stressspirale nicht mehr herauskommt.

Vertriebszeitung.de hat mit der Psychologin und Vertriebs-Expertin Maritta Mainka-Riedel über Stress im Vertriebsalltag, Stress als Sucht und Wege aus der Stressfalle gesprochen. Im zweiten Teil unserer Serie geht es um Wege zu mehr Entspannung sowie um die sieben Resilienzfaktoren für mehr Gelassenheit – nicht nur im Vertrieb.

Frau Mainka-Riedel, wie können wir lernen, besser mit Stress im Vertriebsalltag umzugehen?

MM: Stress zu bewältigen ist grundsätzlich eine Langzeitinvestition. Ganz generell ist es wichtig, nicht nur für den Beruf zu leben. Bewegung ist immer ein gutes Mittel für den Stressabbau, ein Hobby ebenso. Man sollte sich eine positive Gegenwelt zum Job aufbauen.

Gibt es für den Aktionisten andere Methoden der Entspannung als für den eher ruhigeren Mitarbeiter?

MM: Sport und Bewegung sind grundsätzlich für beide Typen eine geeignete Methode zum Stressabbau. Aktionisten sind ohnehin meist Sportler. Sie brauchen das Auspowern, um herunterzukommen. Wenn man allerdings erst drei Stunden laufen muss, um abschalten zu können, ist auch das eher kontraproduktiv. Bewegung mit Maß ist das Ziel. Auch die progressive Muskelentspannung nach Jacobson hat sich bewährt, etwa bei Nackenverspannungen (Anm.d.Red.: Die progressive Muskelentspannung beruht auf dem Prinzip der bewussten Anspannung und der anschließenden Lockerung einzelner Muskelpartien sowie dem bewussten nachspüren des Lockerlassens. Sie fördert das physische und psychische Loslassen.)

Und wie entspannt der ruhigere Mitarbeiter am besten?

MM: Begleitend zur Bewegung geht man in Gesprächen der Ursache für den Stress auf den Grund, ggf. in Kombination mit meditativen Entspannungsmethoden. Ein weiteres Entspannungsverfahren ist das so genannte Floating. Dabei liegt die Person abgeschottet von Außenreizen in einem Tank mit Salzwasser, der Körper „schwebt“ schwerelos im Wasser.

Wäre das nicht gerade für den Aktionisten eine optimale Entspannungsmethode?

MM: Der eher überdrehte Mensch hält meist die Stille nicht aus. Manche bekommen in dem Tank auch Platzangst. Hier hat sich bewährt, dass man vorher Sport macht, sich auspowert und somit von dem ersten Stress herunterkommt.

Was kann man noch tun, um gar nicht erst in die Stressfalle hineinzutappen?

MM: Es gibt drei Erfolgssäulen persönlicher Stabilität:

  1. Kompetenzen
    Zu den Kompetenzen zählt etwa das Zeitmanagement, wenn z.B. Stau ein Stressfaktor ist. Der Vertriebler muss seine Termine mit entsprechendem Puffer planen können. Ebenso gehören eine perfekte Fragetechnik und die richtige Argumentationsstrategie in den Koffer des Vertrieblers. Kompetenzen reduzieren den Druck von außen.
  2. Erfolgreiche Denkstrategien
    Mit erfolgreichen Denkstrategien werden persönliche Stressverstärker gesteuert. Dazu gehören eine optimistische Grundhaltung sowie das Überwinden von Misserfolgen, die es im Vertrieb ja auch immer wieder gibt. Das reduziert den Druck von innen.
  3. Erholen und Entspannen
    Durch Erholung und Entspannung werden die Stressreaktionen gesteuert. Hier geht es um das „richtige“ Abschalten, um Bewegung, Entspannungsmethoden und Hobbies. Das schafft einen Ausgleich und baut Spannungen ab.

Und wenn man sich doch aufreibt an Bürokratie, Zahlendruck oder bestimmten Situationen?

MM: Es gibt sieben Resilienzfaktoren, die man kennen und an denen man sich orientieren sollte. Wenn alle sieben zusammenkommen, ist eine Person sehr stressresistent.

  1. Emotionssteuerung:
    Habe ich eine Haltung, die mich auch in schwierigen Situationen positiv und gelassen stimmt?
  2. Impulskontrolle:
    Kann ich etwas, dass ich nicht gerne mache, trotzdem diszipliniert durchführen? Hier geht es z.B. um Bürokratie wie Datenbankpflege. Das macht zwar kein Vertriebler gerne, aber langfristig hilft es ihm im Tagesgeschäft.
  3. Kausalanalyse:
    Bin ich in der Lage, die Gründe für Erfolge oder Misserfolge treffend zu analysieren und denselben Fehler nicht immer wieder zu machen?
  4. Realistischer Optimismus:
    Setze ich mir realistische Ziele und glaube ich daran, diese auch umzusetzen?
  5. Zielorientierung:
    Verfolge ich meine Ziele konsequent, ohne mich zu stark von Anderen abhängig zu machen?
  6. Empathie:
    Wie stark ist meine Fähigkeit und Bereitschaft, mich in Andere hineinzuversetzen und die Welt mit deren Augen zu sehen?
  7. Selbstwirksamkeitsüberzeugung:
    Habe ich das Heft meines Lebens selbst in der Hand? Fühle ich mich als Gestalter meines Schicksals?

Wer zur Selbstreflektion in der Lage ist und den Rhythmus des Lebens einhält – Pausen, Wochenenden und Urlaub – hat einen sehr wichtigen Schritt im Umgang mit Stress getan.

Ein schönes Schlusswort, Frau Mainka-Riedel – wir bedanken uns für das Gespräch!

 

Lesen Sie auch Teil 1 zum Thema Stress im Arbeitsalltag:  „Stress kann süchtig machen“

 

Maritta Mainka-Riedel Stressmanagement Copyright Hilde LeubnerZur Person:

Maritta Mainka-Riedel ist seit über 25 Jahren erfolgreiche Trainerin und Coach für Fach- und Führungskräfte. Nach dem Studium der Pädagogik, Soziologie und Psychologie mit Zusatzstudium Betriebspädagogik arbeitete sie zunächst im Vertrieb und dann als Vertriebstrainerin in einem renommierten Finanzdienstleistungsunternehmen. Als Projektleiterin Training und Coaching in einer Unternehmensberatung entwickelte sie anschließend innovative Trainingskonzepte für Führungskräfte und Mitarbeiter.

In den letzten Jahren spezialisierte sich Maritta Mainka-Riedel zusätzlich auf Stress- und Gesundheitsmanagement. Sie unterstützt Unternehmen dabei, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu schützen bzw. zu fördern. Dazu entwickelte sie ein erfolgreiches Konzept für Stressprävention und –Stressbewältigung, wovon zahlreiche Teilnehmer in Seminaren und im Einzelcoaching profitieren. www.mmainka-training.de

Foto: © Hilde Leubner

 

Text_Simone Steinhardt

Gelassener im Vertriebsalltag – so geht’s
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Marketing-Kommunikations-Ökonomin (VWA). Mehrjährige Erfahrung im Vertrieb internationaler Fondsgesellschaften und in der Pressearbeit verschiedener Unternehmen sowie einer PR-Agentur für Finanz- und Wirtschaftskommunikation. Seit Mai 2009 selbständig als freie Journalistin und PR-Redakteurin für verschiedene Medien sowie Unternehmen aus der Wirtschaft tätig.

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