| Führungsstile
24. Juli 2015 | 2116 Artikelaufrufe

Geld macht Mitarbeiter kreativer

Geld macht Mitarbeiter kreativer

Visionäre Führungskräfte haben kreative Mitarbeiter. Klingt nachvollziehbar – doch nach einer neuen Studie der Rotterdam School of Management (RSM) ist das Gegenteil der Fall.

Für die Untersuchung wurden zwei Führungsstile miteinander verglichen: der transaktionale Führungsstil, der auf genauen Zielvorgaben und finanziellen Anreizen beruht, sowie der transformationale Stil. Dabei steht die Vorbildfunktion des Chefs im Vordergrund – er oder sie führt durch Motivation und Inspiration, ist Visionär.

Das Ergebnis: Transaktionale Manager, die klare Ziele stecken und konkrete finanzielle, extrinsische Anreize für gute Leistungen in Aussicht stellen, haben um 14 Prozent kreativere Mitarbeiter als ihre transformationalen Kollegen. Sprich: Diese Mitarbeiter bringen mehr Ideen ein bestehendes Ideenmanagement-System ein als die Mitarbeiter, die unter transformational führenden Chefs arbeiten. Je ausgeprägter der transaktionale Führungsstil bei einem Manager ist, desto kreativer sind die Mitarbeiter, so ein Ergebnis der Studie. Demnach reichten die Mitarbeiter von sehr transaktional geprägten Chefs 62 Prozent und damit statistisch 4,43 Ideen mehr ein als solche, deren Manager weniger transaktional führen.

Für die Untersuchung wurden 21 Führungskräfte und 121 Mitarbeiter aus vier Niederlassungen eines deutschen, DAX-gelisteten Logistikunternehmens befragt, das bereits über ein eingeführtes Ideenmanagement-Programm verfügt.

Zielvorgaben bewirken mehr als Visionen

Betrachtet man das Ergebnis vor den Anforderungen der vielzitierten „Generation Y“, überrascht das Ergebnis. Denn: Gerade diese Mitarbeiter geben häufig an, dass ihnen intrinsische Werte wie berufliche Anerkennung und Freizeit mehr bedeuten als extrinsische Anreize wie Bonus oder Dienstwagen.

Studienautor Dirk Deichmann lehrt Innovationsmanagement an der RSM und erklärt dazu: „Bei den Befragten haben wir zwar alle Altersstufen abgedeckt, der Schwerpunkt lag jedoch auf den Älteren“.  Dennoch zeigt sich auch der Wissenschaftler überrascht über das Ergebnis. „In der Literatur wird oft beschrieben, dass der transformationale Führungstil viel mehr Kreativität ankurbelt. Es gibt zwar ein paar Studien, die das hinterfragt haben. Doch das Gros der bestehenden Untersuchungen zeigt den positiven Effekt der transformationalen Führung. Unsere Studie kommt zu einem gegenteiligen Ergebnis. Das ist schon überraschend“, so Dirk Deichmann, der die Untersuchung mit seinem Kollegen Daan Stam durchgeführt hat.

Allerdings können transformational führende Chefs Boden durch eine starke Identifikation mit dem Unternehmen und dem hauseigenen Ideenmanagement-System gutmachen. „Das führt dann auch auf Seiten der Mitarbeiter zu eine starken Verbundenheit“, erklärt Dirk Deichmann. Je höher die Identifikation des Managers mit dem eigenen Unternehmen ist, desto mehr kann er auch aus seinen Mitarbeitern herausholen.

Die Anzahl der eingereichten Ideen sagt jedoch noch nichts über deren Qualität aus

Ein Faktor, der in der Studie nicht berücksichtigt wurde. Die Gefahr bei rein finanziellen Anreizen: Der Mitarbeiter reicht alles Mögliche ein, nur um an die Belohnung zu gelangen. In der Studie wurde allerdings gemessen, wie viel Ersparnis die Umsetzung einer Idee dem Unternehmen gebracht hat – was wiederum auch Rückschlüsse auf die Qualität zuließe, so Deichmann. „Auch da konnte man sehen, dass transaktionale Manager ihre Mitarbeiter mehr motiviert hatten, Ideen mit Sparpotenzial einzureichen“, erklärt der Studienautor.

Klare Zielvorgaben motivieren Mitarbeiter

Manager könnten sich auf verschiedene Art und Weise von den Erkenntnissen der Studie inspirieren lassen, so Deichmann. „Grundsätzlich sollte man sich bewusst machen, dass eine klare Zielvorgabe motivierend auf die Mitarbeiter wirkt. Man muss aber nicht seinen bisherigen Führungsstil über den Haufen werfen. Wie bei so vielem im Leben kommt es auf die Balance an“, ist Dirk Deichmann überzeugt. Die Studie zeige jedoch, dass Führungskräfte einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Mitarbeiter und deren kreatives Potenzial hätten. „Auch die Anpassung des Ideenmanagement-Systems kann sinnvoll sein“, rät der Wissenschaftler. Eine solche Studie könne ein Anreiz sein, den eignen Führungsstil zu hinterfragen und sich ggf. mehr in Richtung Transaktionalität hin zu entwickeln.

 

Weitere Infos: Die Studie (in englischer Sprache) kann bei Dirk Deichmann unter der Email ddeichmann@rsm.nl angefordert werden.

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Marketing-Kommunikations-Ökonomin (VWA). Mehrjährige Erfahrung im Vertrieb internationaler Fondsgesellschaften und in der Pressearbeit verschiedener Unternehmen sowie einer PR-Agentur für Finanz- und Wirtschaftskommunikation. Seit Mai 2009 selbständig als freie Journalistin und PR-Redakteurin für verschiedene Medien sowie Unternehmen aus der Wirtschaft tätig.

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