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26. Juni 2015 | 2365 Artikelaufrufe

Kunden

Lange Zahlungsziele ade – diese Kunden bezahlen die Rechnung schneller!

Durchschnittlich waren säumige Kunden Ende 2014 fast zwei Wochen im Verzug. Vor allem Logistiker, Dienstleister und Baustoffhändler ließen sich statistisch gesehen beim Rechnungen-Bezahlen viel Zeit. Diese Zahlen veröffentlichte Creditreform jüngst.

Aber selbst wenn Kunden offene Beträge pünktlich begleichen: Das lange Zahlungsziel von vier oder sechs Wochen bricht dem Liquiditätsfluss das Genick. Die besten Kunden sind also die, die sofort bezahlen. Das tun sie vor allem dann, wenn sie die Unterstützung eines Finanz-Dienstleisters in Anspruch nehmen.

Finetrading-Nutzer haben bessere Zahlungsmoral

„Unternehmen, die Finetrading nutzen, sind Kunden, die schnell und sicher bezahlen“, sagt Finanzexperte Dirk Oliver Haller. Denn der Finetrader schaltet sich beim Kauf als Zwischenhändler ein und begleicht die Rechnung binnen Stunden, sobald die Ware eingetroffen und auf Mängel geprüft wurde. Der Verkauf geht also während einer „virtuellen Sekunde“ über den Finanz-Dienstleister, die Ware wird aber direkt an den Verarbeiter oder Händler geliefert. Ein Finetrader kauft im Auftrag des Kunden ein und behält das Skonto – in der Regel drei Prozent. „Wir wiederum gewähren zwischen 30 und maximal 180 Tagen Zahlungsziel, ohne das Skonto weiterzugeben“, verdeutlicht der Vorstand der Deutschen Finetrading AG. Dann ist der Lieferant aber bereits sicher bezahlt.

Kreditversicherer Euler Hermes rechnet in diesem Jahr mit einer steigenden Zahl an Insolvenzen in Deutschland. Euler Hermes ging Ende 2014 von einem Anstieg um zwei Prozent auf knapp 25.000 Fälle im Jahr 2015 aus. Ein Grund dafür sei ebenfalls die gesunkene Zahlungsmoral, sagte Chefökonom Ludovic Subran der Deutschen Presse-Agentur. Im vergangenen Jahr rutschten etwa sechs Prozent deutsche Firmen weniger in die Pleite als 2013. In den vergangenen fünf Jahren war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stetig gesunken.

Beschäftigt der Auftraggeber einen Finetrading-Dienstleister, heißt das noch lange nicht, dass er selbst nicht liquide ist. Eher im Gegenteil: Finanzdienstleister prüfen ihre Vertragspartner auf Herz und Nieren. Und vor allem auf ihre Bonität. „Bei der Vergabe von Einkaufslimits sind wir als private Dienstleister genauso streng wie jede Bank bei der Kreditvergabe“, sagt Haller. Außerdem ist im Normalfall jede Transaktion mit einer Warenkreditversicherung hinterlegt.

Einem Finetrading-Nutzer können Vertriebler also erstmal vertrauen. „Käufer nutzen Finetrading, um in der Beschaffung bessere Einkaufskonditionen zu erzielen und schnelleres Wachstum zu finanzieren“, betont Haller. Angenehmer Nebeneffekt: Wer pünktlich zahlt, wird auch vom Lieferanten besser bewertet und steigt im Ranking. „Vertriebler sollten sich nicht wundern, wenn der Kunde die schnelle Bezahlung als Argument nutzt, um niedrigere Preise zu verhandeln oder ein Skonto zu bekommen, sondern eher prüfen, was er für den zuverlässigen Kunden tun kann“, rät der Finetrader.

Ein weiteres Argument, das für den Kunden spricht, der mit privaten Finanzierern arbeitet: Solche Käufer sind insgesamt liquider und flexibler. Gerade in Wachstumsphasen kauft die Firma also mehr als andere. „Das hängt auch mit dem eingeräumten Einkaufslimit zusammen“, erläutert der Finanz-Dienstleister, „ist der fällige Betrag an den Finetrader zurückgezahlt, wird das Limit zur erneuten Verwendung wieder frei.“ Je nach Bonität der Firma und Größe des Finetraders bekommen Unternehmen bei der Deutschen Finetrading AG Einkaufsvolumina zwischen 30.000 und fünf Millionen Euro eingeräumt. Bei jedem Einkauf, der über den „virtuellen Zwischenhändler“ läuft, kommt der Vertriebler schnell und zuverlässig an seinen Umsatz und der Kunde steigt im Ranking.

Überwiegend gute Zahlungsmoral im Handel

Auch Kunden, die kein Finetrading nutzen, sind nicht grundsätzlich zahlungsunwillig. Eine anhaltende Abwärtsspirale beim Zahlungsverhalten sei derzeit eher nicht zu befürchten, heißt es seitens Creditreform. Die Kunden ließen es vor allem bei den kleinen Rechnungen schleifen.

Allerdings kämpfte 2014 jedes dreizehnte Unternehmen mit existenzbedrohenden Forderungsverlusten von mehr als einem Prozent des Umsatzes. Solche hohen Verluste waren vor allem im Baugewerbe ein Thema, während im Handel überdurchschnittlich viele Unternehmen von geringen Ausfällen betroffen waren. Laut Creditreform berichten immer noch mehr als 80 Prozent der mittelständischen Unternehmen vom weitgehend guten Zahlungsverhalten ihrer Kunden. Mehr als jedes fünfte Unternehmen hatte keine offen gebliebenen Forderungen zu verzeichnen.

Finetrading für die Zwischenfinanzierung eines Warenkredits

Nicht immer und nicht für jeden macht Finetrading Sinn. Gerade für Firmen, die keine schwarzen Zahlen schreiben, kann das Finanzierungstool zur Kostenfalle werden. Denn ist die Bonität nicht ausreichend, verlangt auch der Finetrader mehr als drei Prozent, um sein Risiko abzusichern. Dann handelt der private Finanzierer genauso, wie es jede Bank auch tun würde. Der Warenkredit ist also etwas für Firmen, die kurzfristig zwischenfinanzieren wollen. „Finetrader bieten eine Ergänzung zu den Leistungen der Geldinstitute, können und wollen sie aber nicht ersetzen“, erläutert der Finanzexperte.

 

Finetrading Dirk Oliver Haller

 

Zur Person

Dirk Oliver Haller ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Finetrading AG und  der Haller AG. Der 42-Jährige ist gelernter Kaufmann und kommt aus Nordrhein-Westfalen. Er ist außerdem Geschäftsführer der Agrenius GmbH.

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Daniela Reichart, Jahrgang 1986, ist Wirtschaftsjournalistin. Bereits während ihres B.A. Studiums für Germanistik und Politikwissenschaft arbeitete sie bei Zeitungen, absolvierte Praktika sowie Volontariat und arbeitet heute für unterschiedliche Fachmagazine mit technischem und wirtschaftlichem Schwerpunkt.

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