| Berufsperspektive
19. September 2014 | 1549 Artikelaufrufe

Die Logistikbranche als Chance für Vertriebler

Logistikbranche bietet Karrierechancen für technikaffine Vertriebler

Die Logistik ist Deutschlands Wachstumsbranche Nummer eins. Steigende technische Komplexität und Diversifizierung benötigen immer mehr Fachleute, die Schnittstellenfunktionen zwischen Lieferkettenmanagement, Prozessplanung und technischen Kunden bilden. Ingenieure sind jetzt schon stark nachgefragt, Experten rechnen mit weiter steigendem Bedarf im ehemals reinen Transportsektor. Mit guten Nerven und harter Arbeit machen technisch versierte Vertriebler hier schnell Karriere.

Bedarf an Vertrieblern mit technischem Verständnis

„Weil die Logistik eine Querschnittsfunktion zwischen verschiedenen Unternehmen und Geschäftsbereichen einnimmt, sind hier Generalisten mit technischem Hintergrund gefragt“, sagt Robert Schönberger, Geschäftsführer des Logistikcluster Schwaben aus Ulm. Ein Logistik-Vertriebsingenieur denke in Prozessen auch über das eigene Unternehmen hinaus. Denn ein Produkt von der Herstellung über die Weiterverarbeitung, Verpackung und Transport zu begleiten, ist sein Job. Und das selbstverständlich international. Technisch werde es, so Schönberger, vor allem in der Intralogistik. Wenn Förderbänder durch Produktionshallen laufen, automatische Gabelstapler durch das Schmalganglager rauschen oder Scannertechnik das Warenwirtschaftssystem auf dem Laufenden hält.

Technischer Sachverstand ist erforderlich…

Die Denipro AG aus Weinfelden beschäftigt Vertriebsingenieure in vielen Unternehmensbereichen. Der Anbieter für Fördertechnik entwickelt und vertreibt Transportbänder, die auf Rollen laufen. „Die meisten Transportmittel gleiten über den Untergrund, haben damit eine hohe Abnutzung und brauchen viel Energie“, erklärt Vertriebsingenieur Urs Rothenbach. Das innovative Rollen-System kommt mit zehn Prozent des üblicherweise verbrauchten Stroms aus und benötigt viel weniger Wartung sowie Ersatzteile. „Das kann ich unseren Kunden aus Industrie, Nahrungsmittelbranche und Medizintechnik vor allem deswegen gut rüberbringen, weil ich selbst einen Maschinenbau-Studiengang absolviert habe“, erklärt Rothenbach. Ohne technischen Hintergrund würde er von seinem Gegenüber nicht ernst genommen, berichtet der Verkäufer.

….sowie alle Tugenden eines guten Verkäufers

Zum guten Vertriebsmitarbeiter kommen Verbindlichkeit, Kundenorientierung und Redegewandtheit hinzu. „Wichtig bleibt, dass Mitarbeiter eine gewisse persönliche Qualifikation mitbringen. Jemand, der am liebsten im Detail arbeitet, wird in der Logistik selten glücklich“, meint Schönberger. Die Logistik brauche im Vertrieb wie auch in fast allen anderen Sparten Leute, die kommunikativ und organisationsstark sind und auch einmal über ihren eigenen Tellerrand hinauskommen.

In der oft unterschätzten Branche sind die Margen klein und Veränderungen geschehen rasend schnell. Gerade weil dieser Sektor den volatilen Märkten stärker ausgesetzt ist, als jeder andere, sind schlanke Prozesse der Schlüssel zum Erfolg. „Wer Ahnung von Lean Management hat, wird in der Logistik gerne eingestellt“, erläutert Geschäftsführer Schönberger. Mehr und mehr Aufgaben übernimmt die Logistik für die Industrie: Vom Verpackungsmanagement über die Lagertechnik bis zu Vormontagen und der Lieferung vorsortierter Komponenten direkt ans Band. Für alle Branchen, für die die Logistik Aufgaben übernimmt, braucht sie Spezialistenwissen, das Experten aus dem jeweiligen Bereich mitbringen.

Hochschulen haben den Bedarf erkannt

Doch wegen dem Fachkräftemangel ist es schwierig, an entsprechend erfahrene Leute heranzukommen. Deshalb bieten Unternehmen in Modulen weiterbildende Vertiefungen durch Seminare an. Damit etwa jeder gelernte Verkäufer und branchenfremde Vertriebler oder Ingenieur sich schnell in der Logistik zurechtfindet. „Da die Hochschullandschaft auf diesen Trend vielfach zu langsam oder gar nicht reagiert, entstehen immer mehr private Hochschulen“, sagt der Geschäftsführer des Festo Lernzentrums Saar, Peter Speck. Als Direktor des Steinbeis Transfer Instituts „Corporate Educational Process“ an der Steinbeis Hochschule Berlin hat er einen gewissen Überblick. An privaten Akademien entstehen schneller neue Weiterbildungsmodule, die für spezielle Jobs nötig sind, wenn etwa ein Vertriebsingenieur bei einem Logistiker anfängt zu arbeiten.

„Dort hat er mit allen Fragen des Supply Chain Management und der Lagerhaltung etwa zu tun, auf die es an der Hochschule auf die Projekte zugeschnitten keine Antworten gibt“, erklärt der 58-Jährige. So schildere ein Unternehmer oder Verband nun einem Professor sein Problem, wo es Qualifizierungslücken gibt. Und die Doktoranden des Wissenschaftlers recherchieren dann Marktbedarf, benötigte Inhalte und schnitzen daraus einen 24-monatigen berufsbegleitenden Aufbaustudiengang zum Master.

Es sind nicht nur junge Bachelor-Absolventen, die so den Master machen. Zunehmend kommen auch Leute über 40, die arbeitslos wurden und nun mit neuen Kompetenzen nochmals durchstarten.

Um einen Überblick über die unterschiedlichen Richtungen zu bekommen, die Ingenieure einschlagen können, hat der ehemalige Festo-Personalleiter zusammen mit Detlef Jürgen Brauner das Buch „Berufsziel Ingenieur 2014“ herausgebracht. Seit März liegt das Werk standardisiert in jedem Berufsinformationszentrum der Bundesagentur für Arbeit aus.

Im Buch versuchen 80 Autoren, das gesamte Spektrum abzudecken, um Einsteiger über Berufszugänge, Perspektiven und die verschiedensten Tätigkeitsbereiche zu informieren: Vom beratenden Ingenieur in der Energiewirtschaft bis zum Vertriebsingenieur.

 

Text_Daniela Reichart

Logistikbranche bietet Karrierechancen für technikaffine Vertriebler
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Daniela Reichart, Jahrgang 1986, ist Wirtschaftsjournalistin. Bereits während ihres B.A. Studiums für Germanistik und Politikwissenschaft arbeitete sie bei Zeitungen, absolvierte Praktika sowie Volontariat und arbeitet heute für unterschiedliche Fachmagazine mit technischem und wirtschaftlichem Schwerpunkt.

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