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17. Januar 2014 | 2880 Artikelaufrufe

Unternehmensethik

Unternehmensethik: Ein Umdenken findet statt

Immer mehr Kunden geben sich nicht zufrieden mit der guten Qualität eines Produkts. Sie erwarten sich von Unternehmen verantwortungsvolles Handeln innerhalb der Gesellschaft. Grobe Verstöße gegen Umweltschutz, in der Mitarbeiterführung oder im Umgang mit  Ressourcen bleiben heute selten unentdeckt. Auf dem diesjährigen Marketing Kongress in Würzburg erklärte der Chefredakteur von CSR NEWS und CSR MAGAZIN, Achim Halfmann, worauf es Kunden ankommt und wie die neuen Trends zu verstehen sind.

Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) bedeutet zwar gesellschaftliche Unternehmensverantwortung, doch eigentlich ist nach heutigem Verständnis Nachhaltigkeit gemeint. Ohne ein gut entwickeltes CSR werden es Unternehmen in Zukunft bedeutend schwerer haben. Es wird wichtig, welchen Beitrag sie leisten, um Ressourcen zu schonen, Menschen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen und die Gesellschaft voranzubringen um sie für die nächsten Generationen zu stärken. Laut Halfmann zählt nicht, wie ein Unternehmen sein Geld ausgibt, es geht vielmehr darum, wie ein Unternehmen sein Geld verdient.


Das Interesse der Öffentlichkeit

Die Themen rund um CSR interessieren die Öffentlichkeit. Ein gutes Beispiel aus jüngster Vergangenheit ist der Einsturz eines Textilunternehmens in Bangladesch. Dieses Unglück ging den Deutschen sehr nah. Immerhin kommen 70 % der deutschen Textilien aus Bangladesch. „Wenn wir hier in Deutschland ein T- Shirt für wenige Euro kaufen, liegt der Verdacht nahe, dass der tatsächliche Preis von den Nähern und Näherinnen in Bangladesch bezahlt wird. Für 70 Stunden pro Woche bekommen diese Menschen oft nur 50 € Lohn. Und davon ernähren Sie auch noch ihre Familien. Menschen in Deutschland interessiert es zunehmend, wo unsere Textilien herkommen oder die Rohmaterialien, aus denen wir zum Beispiel unsere Fahrzeuge bauen oder unsere Energie beziehen. Und die Auswirkungen auf die Umwelt. Wir fragen immer öfter nach, wie mit Ressourcen umgegangen wird und wie weit wichtige Ressourcen geschont werden, wie zum Beispiel Energie und Wasser, “ so Halfmann.

Stephen Emmott schreibt zum Beispiel in seinem Buch „Zehn Milliarden“, dass die Weltbevölkerung vor 10.000 Jahren nur 1 Million Menschen zählte, im Jahr 1800 lebten aber bereits 1 Milliarde. Und immer rasanter wächst: Sind es heute 7 Milliarden, werden es bis zum Ende des Jahre Weltbevölkerung voraussichtlich 10 Milliarden Menschen sein.

Was bedeutet das für den Klimawandel, für unsere Ernährung, für den Transport und wie können wir eine Lebensgrundlage für 10 Milliarden Menschen schaffen, ohne dabei unsere Ressourcen auszubeuten und unsere Lebensgrundlage zu zerstören? Dazu Halfmann: “Das sind alles Fragen,  die sich in einer globalisierten Welt zuerst an Unternehmen richten. Fragen, die sich nicht allein politisch gestalten lassen. Kunden stellen deswegen an Unternehmen die berechtigte Frage: Was tust du heute, um ein Wirtschaften auch morgen noch möglich zu machen?“

Die Öffentlichkeit interessiert sich für die Arbeitsbedingungen in der Lieferkette, die Umweltauswirkungen eines Produktes, die Verantwortung am Standort und den Umgang des Unternehmens mit Energie und Wasser. Die Globalisierung führt zu einer neuen Rollenverteilung. Innovationen sind schneller als Gesetze und Produktinnovationen bestimmen das gesellschaftliche Leben. Somit bestimmen Unternehmen den Lebensrhythmus mit.


Zwei Dreisäulenmodelle

Halfmann formuliert für unsere Gesellschaftsstruktur ein 3 Säulenmodell:  Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft. Laut Halfmann erleben wir im Zuge der Globalisierung eine Verschiebung des Kräftegleichgewichts. „Vor 10 Jahren war die Zivilgesellschaft in den Fokus des Interesses gerückt, da damals der Politik ein bisschen das Geld ausging. Heute, unter dem Druck der Globalisierung, konzentriert sich der Fokus auf die Wirtschaft. Die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft hängt stark davon ab, inwieweit wir eine zukunftsfähige Form des Wirtschaftens entwickeln können. Der Fokus der Öffentlichkeit liegt auf dem Beitrag der Wirtschaft zur Zukunft unserer Gesellschaft.“

Überträgt man das Modell auf Unternehmen und auf Corporate Social Responsibility  dann setzen sich die drei Säulen im Unternehmen wie folgt zusammen :

  • Ökologie: Auswirkungen eines Unternehmen und seiner Tätigkeit auf die Umwelt
  • Soziales: die gesellschaftlichen Auswirkungen eines Unternehmens. Nicht zu verwechseln mit Wohltätigkeit
  • Ökonomie: Verantwortungsbewusstsein eines Unternehmens beim Erwirtschaften und beim Anlegen des Geldes

„Dass CSR für Unternehmen immer mehr an Bedeutung gewinnt, erkennt man auch daran, dass in immer mehr Geschäftsberichten der Begriff Nachhaltigkeit verankert ist. Einerseits um Investoren anzulocken, andererseits um Mitarbeiter zu binden,“ so Hartmann.


Auch die Bundesrepublik hat einen CSR Plan

Zu diesem CSR Plan gibt es ein eigenes CSR Forum, in dem bereits zahlreiche Unternehmen vertreten sind. Die Bundesregierung verabschiedete vor einem Jahr zusammen mit dem Europäischen Sozialfonds und der EU ein groß angelegtes Programm, welches das Thema Nachhaltigkeit und CSR in den Mittelstand transportieren soll. Die EU überlegt Unternehmen zu verpflichten, über ihre gesellschaftliche Verantwortung zu berichten und der Öffentlichkeit zu erklären, wie sie der Gesellschaft und unserem Land nützen.


Schon Schüler und Studenten fordern Wirtschaftsethik

Auch an den Universitäten und Schulen befassen sich immer mehr Studenten und Schüler mit dem Thema Ethik. In einem Schreiben an das Rektorat der Wirtschaftsuniversität Zürich fordern Studierende der Wirtschaftswissenschaften die Berücksichtigung sozioökonomischer Problemstellungen in Forschung und Lehre. Das von einem Studentenkomitee verfasste Schreiben verweist darauf, dass die wirtschaftswissenschaftliche Lehre und Forschung eine gesellschaftliche Verantwortung trägt und diese auch wahrnehmen sollte. Dazu Halfmann: „Es wird eine neue Generation herangezogen, die sozusagen mit diesem Thema bereits von Kindesbeinen an konfrontiert wird und es in ihre Entscheidungen mit einbezieht“.


Unternehmen, die unethisch handeln, werden öffentlich an den Pranger gestellt

Zahlreiche deutsche Initiativen setzen sich dafür ein, dass Wirtschaftsethik in Unternehmen verankert wird. Immer mehr Organisationen stellen verantwortungslos handelnde Unternehmen an den Pranger. Natürlich werden in erster Linie die großen Marken dabei in die Mangel genommen, teilweise auch der Handel, um Veränderungen auch bei den Zulieferern herbeizuführen.

Große Organisationen wie Greenpeace spielen dabei eine wichtige Rolle. Greenpeace enthüllte zum Beispiel „die dunkle Seite des Volkswagen Konzerns“ und forderte den Marktführer in der Automobilindustrie auf, seine Einstellung in Bezug auf Klimaschutz zu überdenken und zu ändern. Greenpeace machte mit einer Kampagne darauf aufmerksam, dass der VW-Konzern seit Jahren Ein-, Zwei- und Drei-Liter Motoren entwickelt, während er im Verkauf auf Spritschlucker setzt. Dabei ist die entsprechende Technik für effizientere Fahrzeuge schon längst vorhanden. Greenpeace fordert, dass der Konzern sie serienmäßig, ohne Aufpreis und für alle Kunden erreichbar, anbietet, so Halfmann. Die Kampagne war verbunden mit einer Petition an der sich jeder beteiligen konnte.

Es findet ein Umdenken statt

Die öffentliche Hand zieht beim Trend zu mehr Wirtschaftsethik nach. Zum Beispiel gibt es ein Portal für die nachhaltige Beschaffung öffentlicher Auftraggeber. Dazu Halfmann: „In den meisten großen Unternehmen und Konzernen ist das Thema CSR fest etabliert. Viele haben bereits eigene CSR – oder Nachhaltigkeitsabteilungen, mit eigener CSR Policy, in enger Zusammenarbeit mit dem Marketing und den Zulieferern. Mit klar definierten und kommunizierten Zielen, wie etwa die klare Definition des sogenannten Waterfootprint.“ Allein für die Produktion eines einzigen Burgers werden 3000 l Wasser verbraucht. Wenn die Fastfoodketten daran etwas verändern wollen, müssen sie auch ihre Zulieferer in die Pflicht nehmen.

Wie kann CSR funktionieren?

CSR gehört, laut Halfmann, zum Kernunternehmen, ins Marketing. Der Begriff Marketing beschreibt hierbei ein Konzept der ganzheitlichen und nachhaltigen Unternehmensführung zur Befriedigung der Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden und anderer Interessensgruppen.

CSR funktioniert nur in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern und durch deren Motivation. Dazu Halfmann: „Wenn die Mitarbeiter davon überzeugt sind, kann man das Thema getrost nach außen kommunizieren. CSR fordert von Unternehmen Dialog und Transparenz. Beim Dialog zählen Ernsthaftigkeit und Qualität. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter und Kollegen: Wozu braucht die Gesellschaft unser Unternehmen und unsere Produkte? Schauen Sie sich Ihre Kunden und deren Verständnis für gesellschaftliche Verantwortung genau an. Zeigen Sie Ihren Kunden wofür Ihr Unternehmen steht“.

 

Zur Person:

Achim Halfmann ist Chefredakteur von CSR NEWS und dem CSR MAGAZIN, mit viel Erfahrung in Bezug auf gesellschaftliche Unternehmensverantwortung in Europa, Afrika und Asien. Neben seiner journalistischen Arbeit engagiert sich der Diplom-Sozialarbeiter für die Ausbildung von CSR-Managern, u.a. am Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen.

Text_Dr.Lydia Polwin-Plass, Vertriebszeitung

Bild: © Rainer Sturm, pixelio

Unternehmensethik: Ein Umdenken findet statt
Bewertung: 4.9

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Kultur, Medizin und Naturheilkunde. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website.

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