B2B-Vertrieb 2026: Umsetzung ist jetzt wichtiger als Strategie

Alexander Wolter Mercuri International

Die Sales-Sentiment-Studie von Mercuri International zeigt: Erfolgreiche Vertriebsorganisationen setzen 2026 nicht auf lange Initiativenlisten. Sie konzentrieren sich auf wenige Hebel, die direkt auf Umsatz, Kundenbeziehung und Verhalten im Team einzahlen.

Ende 2025 haben wir es vorhergesagt: 2026 wird kein Strategiejahr, sondern ein Jahr der Tat. Zur Jahresmitte sieht man genau das bestätigt.
Ende 2025 haben wir es vorhergesagt: 2026 wird kein Strategiejahr, sondern ein Jahr der Tat. Zur Jahresmitte sieht man genau das bestätigt.© Thares2020/stock.adobe.com

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Ende letzten Jahres haben wir rund 300 Vertriebsverantwortliche aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Benelux und Großbritannien befragt. Eine unserer deutlichsten Vorhersagen daraus war: 2026 wird kein Jahr der großen Strategieentwürfe. Es wird ein Jahr, in dem gemacht statt geplant wird.

Zur Jahresmitte kann ich sagen: Genau das sehe ich. In den Gesprächen mit Vertriebsverantwortlichen. In den Projekten, die wir begleiten. Und in der Art, wie Prioritäten gesetzt werden. Das ist eine gute Nachricht. Auch wenn sie auf den ersten Blick wenig glamourös klingt. Lassen Sie mich erklären, warum mich dieser Befund optimistischer stimmt als jede Transformationsankündigung.

Was die Sales-Sentiment-Studie über den Vertrieb 2026 zeigt

Die Ausgangslage war ernüchternd: Gut zwei Drittel der Befragten hatten ihre Ziele 2025 verfehlt, fast ein Drittel sogar um mehr als zehn Prozent. Trotzdem blickte die Mehrheit zuversichtlich nach vorn.

Diese Lücke zwischen Ergebnis und Erwartung hätte man als Realitätsverweigerung lesen können. Ich habe sie anders gelesen: als Anpassung. Nach mehreren Jahren, in denen Pläne über den Haufen geworfen wurden, sobald die Tinte trocken war, haben viele Vertriebsverantwortliche aufgehört, auf das perfekte Umfeld zu warten. Stattdessen konzentrieren sie sich auf das, was sie selbst in der Hand haben.

In der Befragung zeigte sich das sehr deutlich an den Initiativen, die ganz oben standen: Neukundengewinnung, Fokus auf profitable Kundensegmente, Cross-Selling und das Zurückholen verlorener Kundschaft.

Diese Hebel wirken schnell. Sie brauchen kein großes Digitalisierungsprojekt, keine Reorganisation und keine Freigabe durch drei Managementebenen.

Was ich heute in der Praxis beobachte, deckt sich damit. Die Vertriebsorganisationen, bei denen es derzeit rund läuft, haben ihre Energie nicht in den nächsten großen Wurf gesteckt. Sie haben drei, vier Dinge konsequent gemacht – und zwar jeden Tag. Das klingt unspektakulär. Es ist aber der Unterschied zwischen Bewegung und Stillstand.

Das nehme ich für 2026 mit: Bevor ich über neue Programme nachdenke, prüfe ich, ob die naheliegenden Hebel – Bestandskundschaft, Cross-Selling, Reaktivierung – wirklich ausgereizt sind. Meistens sind sie es nicht.

Warum konkrete Vertriebsprobleme wichtiger sind als Megatrend-Angst

Mein persönlicher Lieblingsbefund steckt aber woanders – nämlich in der Frage, welche äußeren Belastungen die Befragten überhaupt umtreiben.

Ganz oben standen: schwankende Nachfrage in den Zielbranchen, Preisdruck aus dem Wettbewerb, zögerliche Kundschaft. Also lauter Dinge, an denen Sie morgen früh konkret arbeiten können.

Und was taucht kaum auf? Themen, die jede Konferenzbühne und jeden zweiten LinkedIn-Beitrag füllen: Währungsrisiken, Lieferketten, ESG-Regulatorik, geopolitische Verschiebungen. Die ganz großen Trends, von denen niemand seriös sagen kann, ob und wann sie wirklich durchschlagen.

Ich finde das ausgesprochen vernünftig. Wer morgens zuerst an Deglobalisierung, KI-Revolution und Energiewende denkt, bevor das erste Kundengespräch ansteht, wird dadurch nicht strategischer – sondern im Verkauf schlechter.

Die Studie zeigt es im Übrigen schwarz auf weiß: Je mehr Bedrohungen jemand gleichzeitig auf dem Schirm hatte, desto gedrückter war die Stimmung. Sorge lähmt uns, Handeln befreit. Das heißt nicht, die großen Linien zu ignorieren. Sie sollen nur nicht zur täglichen Ausrede werden.

Die Verantwortlichen, die ich derzeit als handlungsfähig erlebe, haben einen klaren inneren Filter: Worauf habe ich Einfluss – und worauf nicht? Und sie investieren ihre Aufmerksamkeit fast vollständig in das Erste.

Das nehme ich für 2026 mit: Ich trenne sauber zwischen dem, was ich beeinflussen kann, und dem, was nur Hintergrundrauschen ist. Meine Aufmerksamkeit gehört dem ersten Stapel.

Weshalb Fokus die bessere Vertriebsstrategie ist

Ein Detail aus den Daten hat mich nicht losgelassen. Im Durchschnitt standen 7,5 von 19 möglichen Initiativen auf der Liste. Doch ausgerechnet die erfolgreichsten Unternehmen – jene mit über 110 Prozent Zielerreichung – kamen mit weniger aus, im Schnitt mit rund sieben. Nicht mehr. Weniger.

Das widerspricht einem Reflex, der in vielen Organisationen tief sitzt. Wer auf fünf laufende Projekte zeigen kann, gilt als engagiert. Wer drei davon streicht, muss sich erklären. Betriebsamkeit wird belohnt, Fokus wird beargwöhnt. Dabei ist das Streichen oft die mutigere und die klügere Entscheidung.

Ich sage meiner Kundschaft inzwischen offen: Wenn alles wichtig ist, ist nichts mehr wichtig. Die Frage ist selten, was Sie noch zusätzlich tun sollten. Die Frage ist meistens, was Sie aufhören sollten zu tun.

Erst dann wird Kapazität frei für das, was wirklich zählt. Und genau diese Disziplin sehe ich 2026 häufiger als in den Jahren davor – als hätte die anhaltende Unsicherheit eine heilsame Nebenwirkung gehabt.

Das nehme ich für 2026 mit: Eine kurze, ehrliche Initiativenliste schlägt eine lange. Ich frage zuerst, was weg kann – nicht, was noch dazu soll.

Zur Person

Alexander Wolter ist Partner bei Mercuri International Deutschland. Er bringt langjährige Erfahrung in Vertrieb, Sales Leadership und Geschäftsentwicklung mit. Seine Schwerpunkte liegen auf vertriebsorientierter Beratung, wirksamem Wachstum und praxisnahen Vertriebsstrategien.

 

Warum die Stimmung im Vertrieb ein Frühindikator ist

Wer glaubt, gute Zahlen erzeugten automatisch gute Stimmung, denkt den Zusammenhang verkehrt herum. Unsere Auswertung zeigt nämlich etwas Unbequemes: Das Ergebnis des Vorjahres sagt erstaunlich wenig darüber aus, wie ein Unternehmen auf das kommende Jahr blickt. Viel enger hängt der Ausblick daran, wie das Team sich gerade fühlt.

Das ist keine weiche Aussage über Motivation. Es ist ein harter Hinweis für Führung. Stimmung entsteht nicht durch Zielerreichung allein. Sie entsteht durch klare Ansagen, durch erlebte Handlungsfähigkeit und durch das Gefühl, an den richtigen Dingen zu arbeiten. Ein Team, das weiß, was es zu tun hat und warum, trägt eine schlechte Bilanz erstaunlich gut. Ein Team ohne diese Klarheit zermürbt selbst ein gutes Quartal.

Für Führungskräfte folgt daraus eine konkrete Aufgabe: weniger Zeit in das Rechtfertigen vergangener Zahlen investieren, mehr in Orientierung für das, was als Nächstes kommt.

Das nehme ich für 2026 mit: Die Stimmung im Team ist mein wichtigster Frühindikator. Ich arbeite an Klarheit, nicht nur an der Bilanz.

Was der DACH-Vertrieb 2026 besser machen muss

Eine Beobachtung darf ich uns hier nicht ersparen. Ausgerechnet die DACH-Region blickte am vorsichtigsten in die Zukunft – mit der gedämpftesten Stimmung (5,26 von 10) und dem zurückhaltendsten Ausblick (5,08) aller befragten Märkte. Obwohl die tatsächliche Zielerreichung gar nicht so weit vom europäischen Schnitt entfernt lag.

Wir sind hier gut darin, Risiken zu managen. Weniger gut sind wir darin, in der Unsicherheit nach vorn zu gehen.

Das zeigt sich sogar an der Aktivität: DACH-Teams nahmen sich im Schnitt 7,2 Initiativen vor, die britischen 8,2. Der Reflex, erst bessere Sicht abzuwarten und dann zu handeln, fühlt sich solide an. In volatilen Märkten kostet er aber Marktanteile – schlicht, weil der Wettbewerb aus anderen Regionen längst in Bewegung ist, während wir noch die Wetterlage studieren.

Ich erlebe das in Projekten regelmäßig: Die Strategie auf dem Papier ist selten das Problem. Das Problem ist die Zögerlichkeit beim ersten Schritt.

Das nehme ich für 2026 mit: Abwarten ist auch eine Entscheidung – meistens die teurere. Ich gehe lieber mit 80 Prozent Klarheit los, als auf die fehlenden 20 zu warten.

Wie Vertriebsentwicklung direkt auf Umsatz einzahlt

Bei all dem Fokus auf schnelle Wirkung darf ein Missverständnis nicht entstehen: dass Training, Coaching und gute Prozesse zweitrangig wären. Im Gegenteil.

In der Befragung waren genau diese Themen breit vertreten – nur selten an der Spitze. Für mich ist das kein Zeichen von Desinteresse. Es zeigt eher, dass diese Arbeit längst angekommen ist. Vieles davon ist vom Projekt zum festen Bestandteil des Alltags geworden.

Die eigentliche Erkenntnis ist eine andere: Kompetenzentwicklung, die nicht mit einem konkreten kommerziellen Ziel verbunden ist, verpufft.

Wer neue Segmente erschließen oder den Cross-Selling-Anteil heben will, muss die Teams genau dafür fit machen. Nicht in einem losgelösten Schulungsblock. Sondern direkt am Vorhaben, am besten am echten Kundenfall.

Training ist kein Selbstzweck. Es ist der Hebel, der dafür sorgt, dass gute Vorsätze im Verkaufsgespräch ankommen und nicht im Strategiepapier versanden.

Das nehme ich für 2026 mit: Jede Befähigungsmaßnahme braucht ein klares kommerzielles Ziel. Ohne dieses Ziel findet sie nicht statt.

Was Vertriebsorganisationen jetzt konkret tun sollten

Mein Fazit zur Jahresmitte

Was mich an diesem Jahr optimistisch stimmt, ist gerade das, was es nicht ist: ein weiteres Transformationsjahr. Die Vertriebsorganisationen, die jetzt vorankommen, haben aufgehört, große Würfe zur Voraussetzung für Ergebnisse zu erklären. Sie arbeiten dort, wo es zählt – an der Schnittstelle zur Kundschaft, mit klaren Prioritäten und einem Team, das weiß, was zu tun ist.

Wenn Sie aus diesem Beitrag eine einzige Sache mitnehmen, dann diese: Prüfen Sie Ihre Initiativenliste ehrlich.

Streichen Sie alles, was Sie nicht bis zum Sommer in spürbares Verhalten Ihrer Vertriebsteams übersetzen können. Konzentrieren Sie die Kraft auf die wenigen Hebel, die direkt auf Umsatz und Kundenbeziehung einzahlen. Denn am Ende entscheidet nicht der Plan. Es entscheidet, was tatsächlich getan wird.

Die Studie „Sailing into 2026 – Navigating Uncertainty“ steht auf der Website von Mercuri International zum Download bereit.

 

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Alexander Wolter Mercuri International

Ein Kommentar zu “B2B-Vertrieb 2026: Umsetzung ist jetzt wichtiger als Strategie

  1. Jens Löser - derLÖSER.

    Das kann ich nur unterstreichen. Die eine klare vertriebliche Aktivität mit dem höchsten Wirkungsgrad definieren. Dann Fokus auf die Umsetzung. Oft zuerst Bestandskunden aktivieren, dann Neukunden gewinnen.

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