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Erfolgreiches Beziehungsmanagement im B2B-Vertrieb, wenn der Ansprechpartner wechselt
Als eine der größten Herausforderungen für die Kundenbeziehung gilt im B2B-Vertrieb oft der Wechsel des Ansprechpartners. Langjährige Kundenbeziehungen entstehen durch persönlichen Kontakt der Vertriebsmitarbeitenden mit ihren Kunden.
Verlässt dann ein Ansprechpartner das Unternehmen oder es kommt zu Neuzuteilungen der Kunden, kann dies Unsicherheit auslösen. Denn der Kunde weiß nicht, wer der neue Ansprechpartner ist und könnte zweifeln, ob er diesem vertrauen kann.
Außerdem ist manchmal zu beobachten, dass Preise, die der Kunde mit dem ursprünglichen Verkaufsberater mündlich vereinbart waren, plötzlich infrage gestellt werden.
Jedoch steckt in dieser Situation aus Anbietersicht auch viel Potenzial. Je nachdem, wie strukturiert und individuell auf den Ansprechpartnerwechsel reagiert wird, kann sich eine unterbrochene Kundenbindung nicht nur stabilisieren, sondern sogar zu einer stärkeren Partnerschaft weiterentwickeln.
Kundenloyalität: So setzen Sie Belohnungen für Weiterempfehlungen richtig ein
Kunden können durch Weiterempfehlungen Unternehmen dabei unterstützen, neue Kunden zu akquirieren und ihre Reputation zu verbessern. Häufig erhalten Kunden im Austausch Belohnungen für eine Weiterempfehlung. Mehr lesenUnterschiedliche Kunden haben unterschiedliche Anforderungen
Nicht alle Kunden reagieren gleich auf einen Ansprechpartnerwechsel. In der Praxis lassen sich zwei Typen von Geschäftskunden unterscheiden:
- Transaktionale Kunden:
Sie erwarten effiziente Prozesse, verlässliche Leistungen und möglichst wenig Veränderungen im operativen Geschäft. Sie sind preis- und leistungsorientiert und legen weniger Wert auf persönliche Bindung.
- Relationale Kunden:
Sie schätzen den persönlichen Austausch, kontinuierliche Betreuung und langfristige Zusammenarbeit. Für sie ist das Vertrauensverhältnis zum Ansprechpartner ein wichtiger Bestandteil der Geschäftsbeziehung.
Diese Unterscheidung ist wichtig, da Maßnahmen, die für einen Kundentyp wirkungsvoll sind, sich für den anderen eher ungeeignet darstellen.
Soziale und finanzielle Maßnahmen gezielt einsetzen
Um mit der Situation richtig umzugehen, muss zunächst verstanden werden, welcher Kunde welche Anforderungen hat und welche Maßnahmen am besten Wirkung zeigen. Unterschieden wird insbesondere zwischen sozialen und finanziellen Maßnahmen.
- Soziale Maßnahmen: Persönliche Gespräche, maßgeschneiderte Kommunikation, exklusive Informationen oder Einladungen zu Veranstaltungen. Sie zielen darauf ab, Vertrauen aufzubauen und eine neue Beziehungsebene zu schaffen. Soziale Maßnahmen wirken besonders effektiv bei relationalen Kunden. Sie vermitteln Wertschätzung, zeigen echtes Interesse und fördern langfristige Kundenbindung
- Finanzielle Maßnahmen: Rabatte oder Zusatzleistungen. Sie bieten unmittelbare monetäre Anreize und signalisieren ein Entgegenkommen. Finanzielle Maßnahmen sprechen beide Kundengruppen mit unterschiedlichen Effekten an. Bei transaktionalen Kunden wirken sie verkaufsfördernd und stärken die kurzfristige Abschlusswahrscheinlichkeit. Relationale Kunden interpretieren sie dagegen oft als Zeichen dafür, dass ihnen der neue Ansprechpartner entgegenkommt und bereit ist, in die Beziehung zu investieren.
Technologische Unterstützung
Auch Vertriebstechnologien wie CRM-Systeme oder Self-Service-Plattformen spielen bei der Kundenbetreuung nach einem Ansprechpartnerwechsel eine zentrale Rolle. Sie unterstützen nicht nur die Aufarbeitung bisheriger Kontakte und Bedürfnisse, sondern ermöglichen auch eine personalisierte und nachvollziehbare Kommunikation.
Insbesondere bei relationalen Kunden helfen digitale Tools, relevante Inhalte zur richtigen Zeit zu liefern, vergangene Interaktionen nachvollziehbar zu machen und Vertrauen schneller aufzubauen. Gleichzeitig profitieren auch transaktionale Kunden. Für sie zählt die Schnelligkeit, Klarheit und Verfügbarkeit, was sich durch technologische Unterstützung optimieren lässt.
Ein gezielter Einsatz von Technologie erhöht die Wirksamkeit sowohl sozialer als auch finanzieller Maßnahmen und ermöglicht einen deutlich besseren Umgang mit der Herausforderung, neue Ansprechpartner in bestehende Kundenbeziehungen zu integrieren.
Welchen Einfluss hat Technologie im B2B-Vertrieb wirklich?
Digitale Technologien prägen den modernen B2B-Vertrieb wie nie zuvor. Ob CRM, Social Selling oder KI – smarte Tools steigern Effizienz, verändern Prozesse und fordern Vertriebsorganisationen heraus, sich kontinuierlich … Mehr lesenHandlungsempfehlungen für das Vertriebsmanagement
- Kundentypen sollten analysiert und Bedürfnisse dokumentiert werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass individualisierte Maßnahmen eingesetzt werden. Der relationale Kunde bekommt dadurch seine persönliche Betreuung, und der transaktionale Kunde sein schnelles Angebot.
- Vertriebstechnologie ist nicht bloß ein Instrument für Effizienz, sondern ist auch für Beziehungsmanagement unerlässlich. Wer digitale Systeme gezielt zur Kundensegmentierung, Dokumentation und Kommunikation nutzt ist, kann schnell auf Veränderungen reagieren und bleibt wettbewerbsfähig.
- Übergaben sollten strategisch geplant und begleitet werden. Je strukturierter die Übergabe und je schneller der neue Ansprechpartner ein Gespräch führen kann desto eher lässt sich die Unsicherheit des Kunden reduzieren.
Der Wechsel eines Vertriebsmitarbeiters muss nicht zwangsläufig zu einem Vertrauensverlust führen. Entscheidend ist die Fähigkeit, kundenspezifisch zu handeln. Wenn man versteht, welcher Kundentyp vor einem steht, gezielt zwischen sozialen und finanziellen Maßnahmen wählt und dabei moderne Vertriebstechnologien einsetzt, wird man als Nachfolger nicht nur akzeptiert, sondern auch gegenüber anderen präferiert.
Von Jan Helge Guba und Elisa Dammeyer
Information: Der Artikel basiert in Teilen auf der 2025 im Journal of Personal Selling & Sales Management erschienenen Studie von Konstantinos Rigopoulos, Henry Robben, Kostas Kaminakis, Dayle R. N. Childs and Ed Peelen mit dem Titel „Overcoming the death of a salesman: the role of customer type and sales technology deployment in managing the impacts of relationship marketing investments following a relational disruption“.



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