Social Selling ist gescheitert, weil keiner wirklich verkaufen will

Social Selling gilt als moderne Antwort auf Kaltakquise – doch viele verwechseln Sichtbarkeit mit Wirkung. Warum Likes keine Deals bringen, was dem digitalen Vertrieb wirklich fehlt und wie Du Social Selling gezielt als Einstieg nutzt.

Social Selling im B2B-Vertrieb wirkt oft modern, scheitert aber an fehlender Verbindlichkeit. Warum Posts allein keine Abschlüsse bringen – und was wirklich wirkt.
Social Selling im B2B-Vertrieb wirkt oft modern, scheitert aber an fehlender Verbindlichkeit. Warum Posts allein keine Abschlüsse bringen – und was wirklich wirkt.© Pixel Studio/stock.adobe.com

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Social Selling gilt als Fortschritt. Als moderne, fast schon zivilisierte Form des Vertriebs. Keine Kaltakquise mehr, keine unangenehmen Gespräche, keine klare Konfrontation. Stattdessen Sichtbarkeit, Beziehungspflege und ein gut kuratierter LinkedIn-Auftritt. Das Problem ist nur: Vertrieb funktioniert so nicht.

Der digitale Vertrieb ist heute so aktiv wie nie und gleichzeitig so wirkungslos wie selten zuvor. Social Selling ist zur bequemen Alternative geworden für alle, die verkaufen wollen, ohne sich wie Verkäufer zu verhalten.

Der Newsfeed ist voll von Beiträgen, die Interesse simulieren und Klarheit vermeiden. Verkäufer sprechen über Werte, aber nicht über Entscheidungen. Sie reden über Nähe, aber nicht über Verantwortung.

Hinzu kommt ein strukturelles Missverständnis. Social Selling wird häufig als Schonraum interpretiert. Als Ort, an dem man sichtbar sein kann, ohne Farbe zu bekennen. Doch genau diese Unverbindlichkeit untergräbt seine Wirkung. Vertrieb lebt nicht von Dauerpräsenz, sondern von Momenten der Zuspitzung. Von klaren Fragen und klaren Antworten. Und von klaren nächsten Schritten.

Verkaufen heißt, sich angreifbar zu machen

Ein Post verlangt keine Antwort. Er kann ignoriert werden, ohne dass etwas passiert. Ein Gespräch dagegen zwingt zur Position. Es erzeugt Spannung und es kann ein Nein einbringen. Doch genau an dieser Stelle beginnt echter Vertrieb und genau an dieser Stelle steigen viele aus.

Stattdessen wird kommuniziert. Geliked, kommentiert und vernetzt. Aktivität wird mit Fortschritt verwechselt. Sichtbarkeit mit Wirkung. Doch kein Kunde unterschreibt einen Vertrag, weil jemand regelmäßig postet. Kunden entscheiden sich, weil jemand den Mut hat, Klartext zu sprechen und den nächsten Schritt einzufordern.

Kundinnen und Kunden kaufen nicht einfach Nähe. Sie kaufen Orientierung. Sie suchen Menschen, die ihr Geschäft verstehen, Risiken benennen und Verantwortung übernehmen. Persönlichkeit kann unterstützen, ersetzt aber keine Führung.

Wer Gespräche meidet, weil sie unangenehm sein könnten, betreibt Content. Aber keinen Vertrieb.

Viele Verkäufer haben gelernt, professionell zu wirken, sie haben aber nicht gelernt, verbindlich zu sein. Und genau hier liegt der Bruch. Professionalität wird mit Zurückhaltung verwechselt. Doch Zurückhaltung führt nicht zu Entscheidungen, sondern verlängert Prozesse und verwässert Positionen – und kostet am Ende Umsatz. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit wird diese Schwäche besonders sichtbar. Wer jetzt nicht klar führt, verliert Vertrauen.

Social Selling scheitert an fehlender Positionierung

Was im digitalen Vertrieb fehlt, ist nicht Know-how. Es fehlt Kante. Viele Profile sind so formuliert, dass sie niemanden irritieren. Alles bleibt offen, weich und anschlussfähig. Man will gefallen, statt führen. Das Ergebnis ist Austauschbarkeit.

Neutralität wirkt zwar professionell, ist im Vertrieb aber gefährlich. Wer für alles offen bleibt, gibt keine Richtung vor. Gerade im B2B-Geschäft erwarten Kundinnen und Kunden aber klare Positionen. Sie wollen wissen, wofür jemand steht und wofür nicht. So entstehen dann auch Entscheidungen.

Social Selling scheitert demnach nicht an der Methode, sondern am Mindset dahinter. Kontaktanfragen werden verschickt, Gespräche angedeutet, doch der nächste Schritt bleibt vage. Man wartet ab, um niemanden zu verlieren. Am Ende verliert man genau deshalb alle. Verbindlichkeit macht angreifbar. Aber ohne Verbindlichkeit gibt es keinen Vertrieb.

Fazit des Experten

Social Selling kann funktionieren, wenn es als Einstieg verstanden wird, als Türöffner. Die eigentliche Arbeit beginnt nach dem Post. Im Gespräch und in der Auseinandersetzung mit dem Kunden. Indem man durch den Entscheidungsprozess führt. Dort zeigt sich, wer wirklich verkaufen will und wer nur sichtbar sein möchte.

Wer selbst keine Verantwortung übernimmt, sollte aufhören, Social Selling dafür verantwortlich zu machen.

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Matthias Bullmahn

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