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Wenn Kunden nicht entscheiden, liegt das selten am Kunden. Es liegt fast immer am Verkäufer. Auch wenn diese Aussage provoziert, so trifft es trotzdem oft zu. Denn Entscheidungen entstehen nicht aus Freundlichkeit, Sympathie oder netten Gesprächen. Sie entstehen aus guter Gesprächsführung.
Mehr Verbindlichkeit im Vertrieb
Problematisch ist, dass viele Verkäufer mögliche Bedenken und Widerstände, die sie oft schon während des Gesprächs spüren, nicht ansprechen. Warum? Weil sie höflich bleiben möchten – und sich nicht trauen, die Beziehung zu gefährden.
Im Ergebnis schreiben dann manche ein umfangreiches Angebot und mailen es dem Kunden, wohlwissend, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit – mal wieder – kein Auftrag daraus wird.
Kunden sind niemandem verpflichtet – Verkäufer lassen Unverbindlichkeit zu.
Was Verbindlichkeit im Vertrieb wirklich bedeutet
„Aber ich will doch nicht so aufdringlich sein!“, „Ich will niemandem etwas aufquatschen!“ oder „Was soll der denn von mir denken, wenn ich offen anspreche, dass irgendetwas zwischen uns steht!“ sind oft spontane Reaktionen, wenn es darum geht, Umsatzverantwortliche dazu zu ermuntern, weiter „nach vorn“ zu gehen.
Verbindlichkeit hat nichts mit Druck oder Dominanz zu tun, sondern mit Klarheit: Also nächste Schritte, klare Zuständigkeiten und eindeutige Zeitpunkte.
Ein Gespräch ist dann verbindlich, wenn beide Seiten wissen, was nach dem Gespräch passiert und wer wofür verantwortlich ist.
Viele Verkäufer verwechseln gute Stimmung mit Fortschritt. Sie verlassen Gespräche mit einem positiven Gefühl, aber ohne konkrete Vereinbarung. Das ist kein Erfolg, sondern Aufschub bzw. „nette Unterhaltung“.
Fehlt Verbindlichkeit, trägt der Verkäufer das Risiko allein. Denn im schlimmsten Falle investiert er viel Zeit, Hoffnung und Energie in ein Projekt, das an sich eine „Totgeburt“ ist. Umsatzprognosen dürfen nicht auf Hoffnungen basieren, sondern auf Substanz.
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Kunden entscheiden heute anders als früher. Heutzutage haben sie mehr Informationen und Vergleichsmöglichkeiten, aber oft sind auch mehr interne Abstimmungen nötig. Das macht Entscheidungen langsamer, aber nicht unmöglich.
Weicht ein Kunde aus, wenn ein Verkäufer mit seinen Fragen zu genau wird, liegt nicht immer böse Absicht dahinter, sondern oft auch Unsicherheit, sich für die falsche Lösung zu entscheiden bzw. im Nachgang Ärger für die Kaufentscheidung zu bekommen.
Die Folge: Viele Kunden möchten sich möglichst viele Optionen offenhalten.
Genau hier braucht es eine empathische Gesprächsführung. Wenn Verkäufer diese Unsicherheit nicht strukturieren, übernimmt der Kunde die bequemste Rolle, nämlich die des Abwartenden.
Solange keine Konsequenzen spürbar sind, besteht kein Entscheidungsdruck. Höfliche Verkäufer verstärken dieses Verhalten ungewollt. Sie wollen nicht stören oder gar drängen, sondern hoffen auf Rückmeldung.
Aber Hoffnung ist nun mal kein Vertriebsinstrument.
Was Verkäufer unbewusst falsch machen
Viele Verkäufer sprechen zu weich und formulieren zu vage.
Sie lassen Türen offen, statt sie bewusst zu schließen und konkret zu werden. Sätze wie „Melden Sie sich einfach.“ oder „Dann schauen wir mal.“ entlasten den Kunden vollständig. Wer so etwas sagt, gibt Verantwortung und Führung ab.
Ein weiterer Fehler ist das frühe Nachgeben.
So relativieren manche Verkäufer vorschnell ihre eigenen Vorschläge wie Preis oder Leistungsumfang, obwohl sie genau wissen, dass sie somit von der besten Lösung für den Kunden Abstand nehmen. Warum? Weil sie den Auftrag wollen.
Also lieber ein Ja für einen kleinen Auftrag als gar keinen Auftrag. Aber wer in der Wahrnehmung des Kunden zu flexibel ist, ist auch zu austauschbar. Und so hört manch ein Verkäufer, obwohl dieser seinem Kunden schon entgegenkommt, kein Ja, aber auch kein Nein.
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Verbindlichkeit beginnt mit Struktur. Was will ich als Verkäufer? Was will ich nicht? Was kann ich verantworten? Was nicht? Wenn Verkäufer keine klaren Ziele haben, verunsichern sie zwangsläufig ihre Kunden. Denn diese wollen im Zweifelsfall lieber einen „klaren“ Verkäufer, der weiß, was er leisten kann – und was nicht.
Ein Beispiel: Um zu verdeutlichen, wie entscheidend die eigene Zielsetzung des Verkäufers ist.
- Ein Verkäufer möchte den Arbeitsnachweis im Sinne eines Auftrags und ist für alles offen.
- Ein anderer Verkäufer sagt sich: Ich rede erst einmal ein paar Minuten mit dem Kunden – und dann entscheide ich, ob wir ihm helfen können und ob ich diesen Kunden möchte oder nicht.
Ergebnis: Der letztgenannte Anbieter wird deutlich mehr Erfolg haben, weil er durch diese Haltung auch automatisch mehr kritische Fragen stellt, um ggf. den Kunden für eine Zusammenarbeit zu disqualifizieren.
Interessanterweise wird er durch diese Vorgehensweise nicht nur überdurchschnittlich viele Kunden disqualifizieren, sondern überdurchschnittlich verkaufen. Warum? Weil seine Kunden anhand der Fragen und Vorgehensweisen spüren, dass es sich hier um einen Anbieter handelt, der genau weiß, was er will und kann. Und gerade das sorgt bei vielen für einen gewissen Sog, der in Aufträge mündet.
Sprache spielt dabei eine zentrale Rolle. Direkte Fragen schaffen mehr Verbindlichkeit als freundliche Andeutungen. Ebenso wichtig ist das konsequente Follow-up durch Zusammenfassungen, Bestätigungen und Termine mit Datum und Uhrzeit. Das Ganze nicht als Kontrolle, sondern als Ordnung.
Wer klar fragt, wird ernst genommen. Wer ausweicht, wird vertagt.
Gesprächsführung, die Entscheidungen ermöglicht
Entscheidungen entstehen, wenn Verkäufer Verantwortung übernehmen. Zum Beispiel:
- indem sie fragen, was heute passieren müsste, damit der Kunde entscheiden kann.
- Welcher nächste Schritt aus Kundensicht sinnvoll ist.
- Oder bis wann eine Entscheidung realistisch ist.
- Auch die Frage „Was ist der Grund, dass sie sich JETZT für dieses Thema interessieren?“ hilft, um festzustellen, wie groß der kundenseitige Handlungsdruck ist, eine Lösung zu bekommen.
Solche Fragen wirken nicht aggressiv, sondern professionell. Sie zeigen, dass der Verkäufer seine eigene Zeit ebenso respektiert wie die des Kunden. Wer Fragen dieser Art nicht stellt, darf sich über Unverbindlichkeit nicht wundern.
Umgang mit typischen Ausweichmanövern
Aussagen wie „Wir müssen das intern klären.“ oder „Wir schauen uns noch andere Angebote an.“ sind keine Ablehnung, sondern Signale für Klärungsbedarf. Gute Verkäufer nehmen diese Aussagen auf und führen das Gespräch weiter. Sie fragen nach Zuständigkeiten, Kriterien und Zeitrahmen.
Sollten Interessenten auf solche Fragen nicht offenherzig antworten, so kann dies auch als Indiz gewertet werden, dass der Anbieter möglicherweise noch nicht überzeugend auf den Kunden gewirkt hat. Auch das bekannte „Ich melde mich.“ ist keine Zusage, sondern ein offener Ausgang. Wer das akzeptiert, gibt die Führung vollständig ab. Wer stattdessen einen konkreten Zeitpunkt vereinbart, bleibt im Prozess.
Fazit des Experten
Verbindlichkeit ist keine Frage von Sympathie, sondern eine Frage von Klarheit. Verkäufer, die Entscheidungen wollen, müssen sie ermöglichen. Durch Struktur, klare Sprache und konkrete Vereinbarungen. Denn wer Verbindlichkeit scheut, wird hingehalten. Wer sie professionell einfordert, wird ernst genommen.
Mehr zu „Ghosting im Vertrieb – so gewinnst du sie zurück“ gibt es im 12-minütigen Video https://youtu.be/sZgi-glRdiM



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