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Warum Distanz in persönlichen Verkaufsgesprächen förderlich sein kann
Einer aktuellen Studie zufolge spielt es zum Beispiel eine wesentliche Rolle, an welchem Ort oder mit welcher Distanz Sie einen Kunden persönlich ansprechen. Abstand kann hier manchmal Wunder bewirken.
Nur etwa 10% der Leads werden in Kaufkunden umgewandelt. Wer schon einmal Kaltakquise betrieben hat, hat dieses Phänomen bereits persönlich erlebt und bemerkt, dass es ab einem gewissen Punkt der Reife der eigenen Verkaufsmethode kaum möglich ist diese Konversionsrate weiter zu steigern.
Es wird trotzdem viel darüber gesprochen, wie man den Kunden im persönlichen Gespräch mit Körpersprache und Gesprächs-Taktiken beeinflussen kann. Die Kundenbrille aufzusetzen kann dabei aber noch viel wertvoller sein.
Ein Blick in die Praxis: Die häufigsten Gründe für Gesprächsabbrüche seitens des Kunden wie beispielsweise „Ich habe gerade keine Zeit“ oder „Ich habe kein Interesse“ werden im Rahmen einer Einwandbehandlung seziert und die besten Methoden erlernt, wie diese abgelehnt und widerlegt werden können. Vertriebler lernen also den Umgang mit diesen Phrasen und sollen darüber ihre Erfolgsquote steigern.
Ein genauer Blick durch die Kundenbrille verrät aber, dass in vielen Fällen nicht wirklich ein Zeitproblem oder fehlendes Interesse dahintersteckt, gegen das der Vertriebler ankämpfen muss, sondern eine nicht kontrollierbare psychologische Reaktanz.
Mit diesen 6 Tipps überstehen Sie die ersten Minuten jedes Verkaufsgesprächs!
Mancher Verkäufer hat das Verkaufsgespräch schon verloren, bevor es richtig begonnen hat. Und verloren hat er es bereits in der ersten Minute, also bevor er dem Kunden die … Mehr lesenPsychologische Reaktanz als Kaufhemmung
Was ist psychologische Reaktanz?
Der Mechanismus der psychologischen Reaktanz beschreibt den Widerstand oder die Ablehnung gegenüber Handlungen, die als Einschränkung der Freiheit einer Person empfunden werden.
Dieser Widerstand zeigt sich entweder bewusst, etwa durch Ablehnung eines Angebots oder unbewusst, zum Beispiel durch das Ignorieren des Verkäufers.
Eindringen in den privaten Raum des Kunden
Im Vertriebskontext zeigt sich: Je privater die Situation, desto stärker die Reaktanz und folglich eine geringere Chance auf einen positiven Gesprächsverlauf.
Als privat wird nicht nur das eigene Zuhause definiert, sondern auch die unterschiedlichsten Orte mit eingeschränktem Zugang. Lounge-Bereiche oder eine Business-Veranstaltung etwa wirken privat, weil sie nicht für jeden frei zugänglich sind. Oder das eigene Büro, weil dies eine Art „geschützter Raum“ ist.
Wenn ein Verkäufer einen Kunden nun in einer privaten Umgebung anspricht, passiert im Worst-Case folgendes: Der Kunde ist mental nicht auf ein Verkaufsgespräch eingestellt, sondern auf Kontrolle, Rückzug, persönlichen Freiraum.
Ein plötzlicher Verkaufsimpuls wirkt in diesem als privat empfundenen Moment wie ein Übergriff und die Wahrscheinlichkeit, dass das Gespräch abgelehnt oder frühzeitig beendet wird, steigt. Oft ist „keine Zeit“ dann lediglich ein Vorwand, um der Situation möglichst schnell zu entfliehen.
Distanz als Schlüssel
Statt mit einem „Hallo, darf ich Sie kurz stören?“ aus nächster Nähe zu überraschen, kann ein ruhiger Einstieg aus einigen Metern Entfernung Wunder wirken. Der Kunde fühlt sich dadurch weniger bedrängt, behält die Kontrolle und ist offener für das Gespräch.
Diese Erkenntnis ist besonders für Vertriebsmitarbeiter sehr relevant, die in Umgebungen agieren, die tendenziell als privat wahrgenommen werden: Wohnungsbesuche, Kundenbereiche, kleinere Besprechungsräume oder auf Events. Aber auch für spontane Besuche beim Kunden oder Erstgespräche kann das Bewusstsein über psychologische Reaktanz, und wie man dieser vorbeugt, entscheidend sein.
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Wer Körpersprache im Verkauf googelt, dem begegnen vielen Internetmythen. Und zwar, dass das Verschränken der Arme immer Distanzierung oder Verneinung bedeutet. Stimmt nicht. Mehr lesenWarum das für die Praxis so relevant ist
Kein Gespräch gleicht dem anderen
Die Rahmenbedingungen sind immer unterschiedlich, ob Wetter, Tageszeit, Kundentyp, Standort. Gerade deshalb ist es so entscheidend, genau auf Signale der Körpersprache zu achten. Das Schwierige am Erkennen von psychologischer Reaktanz ist genau dieses Feingefühl. Oft ist es nur ein Zögern, ein Ausweichen oder ein Blick zur Uhr.
Der erste Eindruck eines neuen potenziellen Kunden entsteht, bevor überhaupt ein Wort gesprochen wird. Ob der Kunde dem Verkäufer Raum für ein Gespräch gibt, entscheidet sich oft in wenigen Sekunden. Abstand, eine offene Körpersprache und situative Sensibilität sind hier zentrale Erfolgsfaktoren.
Selbst bei der Telefonakquise kann dieses Thema wichtig sein – so wird es eine erhebliche Rolle spielen, ob sich der Kunde gerade in einem gefühlt privaten oder öffentlichen Kontext befindet. Achten Sie darauf und fragen im Zweifel kurz nach. Die Bereitschaft für ein Gespräch kann deutlich steigen, wenn der Kunde gerade auf Kontakt eingestellt ist.
Fazit des Experten
Verkaufen mit Feingefühl
Vertriebler können lernen, Umgebung, Kundenverhalten und Abstand aktiv in ihren Gesprächsaufbau zu integrieren. Dies kann ein zusätzlicher Schulungsbaustein im nächsten Vertriebstraining sein, der von den Vertrieblern direkt umsetzbar ist.
Verkaufsgespräche scheitern nicht nur an Produkt oder Preis, sie scheitern oft an psychologischen Barrieren, die wir selbst übersehen. Wer versteht, wie psychologische Reaktanz funktioniert, kann besser verkaufen. Und wer den Raum, die Distanz und Sensibilität in einem Gespräch aktiv mitgestaltet, bleibt dem Kunden positiv im Gedächtnis.



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