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In Verkaufsgesprächen ist Menschenkenntnis ein entscheidender Erfolgsfaktor. Zwei Begriffe tauchen dabei immer wieder auf: Körpersprache und Facereading. Häufig werden sie miteinander verwechselt oder gleichgesetzt – doch sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Wer im Vertrieb Körpersprache sauber von Facereading trennt und beides gezielt kombiniert, verschafft sich einen klaren Vorteil in Verkaufsgesprächen.
Was versteht man unter Körpersprache und Facereading?
- Körpersprache ist das, was Sie live beobachten können: Haltung, Gestik, Blickkontakt, Atmung, Spannung im Körper
- Facereading basiert ausschließlich auf Fotos. Es findet nicht spontan im Gespräch statt, sondern strukturiert in der Vorbereitung.
Die Wurzeln der Körpersprache
Die moderne Forschung zur Körpersprache verdankt sich vor allem Psychologen wie Paul Ekman, der universelle emotionale Ausdrucksformen identifizierte. Schon lange zuvor nutzten Menschen nonverbale Signale intuitiv – in Verhandlungen, beim Handel oder in der Führung. Ihr Körper sendet ständig Botschaften, oft schneller als Worte.
Für den Vertrieb bedeutet Körpersprache vor allem eines: Momentaufnahme. Sie zeigt, wie sich Ihr Gegenüber im Augenblick fühlt.
Zustimmung, Unsicherheit, Widerstand, Interesse oder Langeweile lassen sich erkennen, wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen. Ein Kunde kann beispielsweise sagen: „Das passt für uns“, während er die Schultern hochzieht, flacher atmet und Blickkontakt vermeidet. Genau hier offenbart Körpersprache wertvolle Hinweise.
Körpersprache im Verkauf: Bedeutet das Verschränken der Arme wirklich Ablehnung?
Wer Körpersprache im Verkauf googelt, dem begegnen vielen Internetmythen. Und zwar, dass das Verschränken der Arme immer Distanzierung oder Verneinung bedeutet. Stimmt nicht.
Mehr lesenFacereading – die Vorbereitung für erfolgreiche Gespräche
Facereading blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon im alten China wurde Mian Xiang genutzt, um Persönlichkeitsmerkmale und Entscheidungsverhalten aus dem Gesicht abzulesen. Auch im antiken Griechenland und im Europa des 18. Jahrhunderts beschäftigten sich Gelehrte wie Johann Caspar Lavater mit Physiognomie.
Heute dient Facereading als gezieltes Vorbereitungstool. Es analysiert stabile Gesichtszüge – Augenform, Mundpartie, Kieferstruktur oder Spannungsverteilungen – die sich nicht minütlich ändern. Daraus lassen sich Grundtendenzen eines Menschen ableiten, keine aktuelle Stimmung.
Vorbereitung schlägt Improvisation
Bevor Sie ein wichtiges B2B-Gespräch führen, lohnt es sich, die Fotos der Entscheider zu analysieren – auf LinkedIn, der Unternehmenswebsite oder in Präsentationen:
- Spannende Mundpartien oder leicht zusammengezogene Augenbrauen deuten etwa auf Kontrollbedürfnis und Verantwortung hin.
- Ein offener Blick, entspannte Stirn oder weiche Gesichtszüge sprechen für Dialogbereitschaft und Vertrauen.
- Dieses Wissen begleitet Sie ins Gespräch – und nun kommt die Körpersprache ins Spiel.
Wenn Worte allein nicht ausreichen
Ein Beispiel: Sie präsentieren einen Lösungsvorschlag, der Kunde nickt und sagt: „Das klingt gut.“ Körpersprachlich lehnt er sich jedoch zurück, verschränkt die Arme und wirkt angespannt.
Dank Ihrer Vorbereitung wissen Sie, dass diese Person eher sicherheitsorientiert ist. Anstatt weiter zu argumentieren, stellen Sie eine offene Frage: „Was wäre für Sie der Punkt, der Ihnen maximale Sicherheit gibt?“ So öffnen Sie das Gespräch und mögliche Einwände kommen frühzeitig zur Sprache.
Ein anderes Szenario: Eine Person zeigt auf Fotos eine markante Kieferlinie und fokussierten Blick. Im Gespräch sitzt sie aufrecht, spricht wenig, hört genau zu. Hier überzeugen klare Fakten, Struktur und Zahlen. Emotionale Geschichten würden eher irritieren.
Körpersprache Im Vertrieb: Was Frauen und Männer unterscheidet
Das Auftreten eines Menschen wird zu 55 Prozent durch seine Körpersprache bewertet und nur 7 Prozent der Botschaft werden durch die tatsächlich gesprochenen Worte beurteilt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse belegen. Dies …
Mehr lesenAuch in Online-Meetings ein Vorteil
Virtuelle Meetings schränken die Körpersprache ein. Oft sieht man nur Kopf und Schultern. Kleine Signale können leicht übersehen werden. Wer zuvor Fotos analysiert hat, erkennt Bedeutung in einem kurzen Zögern, einem knappen Lächeln oder schnellen Themenwechsel.
Facereading liefert die Landkarte, Körpersprache den aktuellen Standort. Zusammen ermöglichen sie ein präziseres und empathischeres Vorgehen.
Verkaufen mit Verständnis statt Druck
Die Kombination aus Facereading und Körpersprache sorgt dafür, dass Sie nicht härter verkaufen, sondern klüger. Sie erkennen Unsicherheiten frühzeitig, gehen gezielt darauf ein und vermeiden Missverständnisse.
Kunden fühlen sich gesehen, nicht überredet. Gerade in komplexen B2B-Verhandlungen ist dies entscheidend, da Entscheidungen selten rein rational getroffen werden.
Facereading verschafft Klarheit in der Vorbereitung. Körpersprache ermöglicht Feinjustierung im Gespräch. Wer beide Techniken kombiniert, wird präziser, empathischer und erfolgreicher im Vertrieb.
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